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Herr Rau schreibt über seine Schullektüren. Wir sind ein Jahrgang und seine Beobachtungen decken sich teils mit meinen Erinnerungen aus der Zeit. Ich kann mich tatsächlich an viele Bücher noch erinnern (und den Unterricht dazu, bzw. einzelnen Szenen …), aber ich habe auch ein – nicht vollständiges – Regalbrett mit Büchern, die ich in der Schule gelesen habe. Ich stelle die hier mal zusammen (alle Links sind Affiliate Links).

Wir lasen u.A. – in der Reihenfolge meiner Erinnerung, nicht unbedingt chronologisch – folgende Werke:

– Theodor Storm: Pole Poppenspäler, Der Schimmelreiter
(die Reclamausgaben von damals stehen hier noch im Regal, allerdings erinnere ich mich null mehr an Pole Poppenspäler, den Deichgrafen kriege ich inhaltlich noch zusammen und glaube, ich fand ihn damals ziemlich gut. Müsste ich mal wieder lesen.)

– Noack: „Rolltreppe abwärts“ (fürchterliches Machwerk) und dazu noch Christiane F.: „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (quasi der Struwwelpeter für Kinder der 70er … erhobener Zeigefinger, Angst schüren, nix erklären, Horrorszenarien an die Wand malen. Ich erinnere mich, dass wir dann mit der Klasse als Film dazu noch Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ sahen. 1970er Tristesse in Reinkultur.)

– Gehrts: „Nie wieder ein Wort davon“ und Kerr: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (zwei Klassiker der Jugendliteratur zum Thema Kindheit/Jugend im Nationalsozialismus, kann man beide immer noch sehr gut lesen). Das dürfte so in der 6. oder 7. Klasse gewesen sein.

– Remarque: „Im Westen nichts Neues“ (für die 8. Klasse viel zu früh, jedenfalls für uns damals. Heutige 8. Jahrgänge mögen da weiter sein, wir waren jedenfalls definitiv noch nicht bereit für diese Schilderungen.)

– Borchert: „Draußen vor der Tür“ und „Nachts schlafen die Ratten doch“ (dito; das war alles viel zu viel und viel zu früh)

– Sartre: « Les jeux sont faits » und « Les Séquestrés d’Altona » (Französischunterricht; ich fand beide sehr gut; wir haben dann sogar noch eine, allerdings eingedeutschte, Theateraufführung von Ersterem gesehen, und auch De Sicas bei Erscheinen höchst umstrittene Verfilmung der „Eingeschlossenen“.)

– Anne Philipe: « Le Temps d´un soupir » (Französischunterricht; das Buch war nicht so meins. Ich erinnere mich, dass ich es sehr deprimierend fand; vermutlich hätte man Gérard Philipe kennen müssen, der zu dem Zeitpunkt schon rund 20 Jahre tot war und in keinem Film mitgespielt hat den ein deutscher Teenie zu der Zeit freiwillig gesehen hätte.)

– Saint-Exupéry: « Vol de Nuit » (Französischunterricht; sehr gerne gelesen)

– Kafka „Der Prozess“, außerdem diverse Gedichte von ihm (Sagen wir so: Es hat mich nicht zum Fan werden lassen.)

– O. Henry: “Short Stories” (Englischunterricht; ich hab’ den Unterricht und die Stories geliebt)

– Salinger: “Catcher in the Rye” (Englischunterricht; ich hatte Salinger zu dem Zeitpunkt schon gelesen und war großer Fan seiner anderen Bücher und Geschichten; der “Catcher” fiel tatsächlcih ziemlich steil ab dagegen)

– Wilde: “The Importance of Being Earnest” und “The Picture of Dorian Grey” (Englischunterricht. Gerne gelesen. Wilde geht immer.)

– Dickens: “Christmas Carol”

– Hesse: „Unterm Rad“, „Klingsors letzter Sommer“, „Demian“ (ja gut, äh. Hesse halt. Als Teenager war das wohl sehr bedeutsam, heute eher nicht mehr so, aber vielleicht im Alter wieder. Ich hab’ nur keinerlei Verlangen, Hesse noch mal anzufassen.)

– Mann: „Tod in Venedig“. (Nicht mein Fall; Mann schwafelt schon sehr arg vor sich hin, oder? Und mit seinen „homoerotischen Untertönen“ – wie man das heute wohl delikat beschreiben würde – konnte ich auch nicht so irre viel anfangen. Sehr viel später habe ich dann noch die „Buddenbrooks“ und den „Zauberberg“ gelesen und mich mit generell mit der Familie Mann beschäftigt und das hat meine Abneigung gegenüber Thomas Mann nur verstärkt, fürchte ich.)

– Max Frisch: „Homo Faber“ (Ich erinnere mich daran, es damals gerne gelesen zu haben und dass ich perfekte 15 Punkte für meine Klausur bekam, allerdings erinnere ich mich original an NICHTS mehr aus dem Buch. Hm. Noch mal lesen? „Gantenbein“ war ja jetzt nicht so der Burner. Ich glaube, das Leben ist zu kurz für das zweimalige Lesen von Büchern, die einen nur so mittelprächtig ansprechen.)

– Dürrenmatt: „Der Verdacht“ und „Das Versprechen“ (Sagen wir so: Ich bin nicht zum Fan geworden. Die Verfilmung von „Das Versprechen“ mit Fröbe/Rühmann war OK, Jahrzehnte später habe ich dann beruflich die filmische Neuinterpretation mit Jack Nicholson betreut, die ich schwächer fand.)

– Knittel: „Via Mala“ (nicht unbedingt gerne gelesen, aber ich fand es trotzdem sehr gut und eindrucksvoll.)

– Goethe: „Faust, der Tragödie erster Teil“ (Oberstufe) und in der Mittelstufe irgendwann den „Erlkönig“ (Je nun. Muss ja.) Im Kunstunterricht dann irgendwann seine Farbenlehre; die fand ich interessanter.

– Schiller: „Das Lied von der Glocke“ (klar, daran kommt man kaum vorbei.)

– Lessing: „Nathan, der Weise“ (Ok)

– Shakespeare: “Macbeth” und “Hamlet” (Englischunterricht) und “Richard III” (Darstellendes Spiel); ob’s an Shakespeare oder den Lehrern lag, jedenfalls bin ich zum lebenslangen Shakespeare-Fan und Fan Englischer Lyrik besonders der Sonette aus Elisabethanischer Zeit geworden)

– Fitzgerald: “The Great Gatsby” und “Tender is the Night” (Englischunterricht, beides gerne gelesen und als Anstoss genommen, Zelda Fitzgeralds “Save Me The Waltz” zu lesen. Und dann natürlich Dorothy Parker.)

– Vonnegut: “Slaughterhouse Five” (Englischunterricht; ich hätt’s jetzt nicht gebraucht, aber man kann es ruhig mal gelesen haben)

– Lewis: “Babbit” (dito)

– Haushofer: „Die Wand“ (Igitt. Ganz und gar nicht meins, was für ein kranker Mist. Ich glaube, ich habe es nicht mal zur Hälfte gelesen und mir lieber die Vier für die Klausur gegönnt. Das Buch habe ich relativ unmittelbar darauf ins Altpapier getan – etwas, das mir heutzutage leichter fällt, aber was ich damals nur für ganz widerwärtige Bücher verantworten konnte.)

Wir mussten keine der berühmten Standards des Deutschunterrichts auswendiglernen, aber ich habe auch so nie wirklich zu Goethe, Schiller, Lessing & Co. gefunden. Manchmal bedauere ich das, aber insgesamt denke ich: Es gibt so irrsinnig viel gute Literatur, alles kannst du eh nie lesen und nichts davon ist für Jedermann. Ich konnte lesen, bevor ich eingeschult wurde, ich war und bin ein Bücherwurm, und die Schule hat das weder zerstören noch sonderlich befeuern können, in egal welcher Sprache. Ich schätze, ich darf mich glücklich schätzen.

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