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„Was guckst du eigentlich auf YouTube?“ Diese Frage bekam ich neulich gestellt, als ich sagte, ich schaue seit ca. 1992 kein lineares TV-Programm mehr, oder nur noch in sehr seltenen Ausnahmen.

Ich habe zahlreiche Kanäle auf YouTube abonniert; zu unterschiedlichen Themen und Interessensgebieten. Ich lasse mir selten vom Algorithmus etwas vorschlagen, bzw. durchschaue den Algorithmus nicht so recht, denn oft schlägt er mir Kanäle und Videos vor, die ich schon abonniert bzw. gesehen habe. Und mindestens genauso oft bekomme ich Vorschläge zu Videos, die mich bestenfalls null interessieren und nicht selten abstoßen. Vermutlich sind es die beliebtesten Videos der Woche oder so.

Wenn man YouTube als nicht eingeloggte Besucherin aufsucht, bekommt man auf der Startseite Empfehlungen zu den aktuell beliebtesten Themen bzw. den beliebtesten Kanälen. Das sind meist Highlights aus dem klassischen TV-Programm inklusive Fussballberichterstattung, Kanäle von Springermedien wie Welt, Bild etc., und Videos, die ich mal unter Unterschichtenfernsehen oder Jackass-TV subsumieren würde, kurz: Alles, was abstößt und mich zumindest nicht interessiert. Ich verstehe jeden Menschen meines Alters und darüber, der sich am Kopf kratzt bei dieser Startseite und sich fragt: Was ist der Reiz an YouTube?

Man kann (auch im ausgeloggten Zustand) YouTube als das benutzen, was es ist (und was kaum jemand auf dem Zettel hat): Die weltgrößte Suchmaschine nach Google. Wobei das natürlich irreführend ist, denn YouTube gehört schon seit fünfzehn Jahren zu Google. Es gibt so ziemlich alles auf YouTube, wenn man danach sucht. Alte Folgen von obskuren TV-Folgen, Gebrauchs-, Reparatur- und Bauanleitungen für fast alles, lustige Tier- und Kindervideos, tragische Nachrichtenvideos, Reisevideos, Stand-up-Comedy, Parodien, Musikvideos, Kochkurse, Lehrfilme … einfach alles. Und alles in allen Varianten, sehr guten und sehr schlechten und sehr, sehr mittelmäßigen. Wer also sagt „YouTube hat nur Mist“ hat entweder gar nicht gesucht – oder hat halt Mist gesucht.

Wirklich gut und benutzbar wird YouTube meiner Ansicht nach erst, wenn man sich einloggt und selbst Listen anlegt und Kanäle abonniert. Ich bin ein vielseitig interessierter Mensch und habe eine Vielzahl von Themenkanälen abonniert, darunter Kanäle zum Thema Filme und Filmtechniken, Audiotechniken, Rezensionen von Audio-, Beleuchtungs- und Videoausrüstung inklusive Videoschnitt mit Premiere Pro, Kochen, Gitarre spielen und Musiktheorie, ein paar Vlogs von bekannten und nicht so bekannten YouTubern, und vieles andere mehr. Diese meisten dieser Kanäle werden betrieben von Privatpersonen, die mit viel Arbeit und Liebe zu ihrem jeweiligen Fachgebiet vor sich hin nerden und das in aller Regel sehr unterhaltsam.

Wenn man den Accounts über Jahre folgt, freut man sich mit ihnen über ihr Wachstum und ihre Erfolge. Viele heute „große“ Accounts mit mindestens 100.000 Fans bzw. AbonnentInnen habe ich entdeckt, als sie noch verhältnismäßig „klein“ waren, bzw. noch nicht sehr viele AbonnentInnen hatten. Andere dümpeln nach wie vor weit unter der magischen Grenze von 100.000 Fans, ab der YouTube ihnen eine Plakette in Form eines silbernen „Play“-Buttons schenkt und, wichtiger, sie aktiv zu promoten beginnt. Die Anzahl der Follower sagt wirklich selten etwas über die Qualität des Inhalts aus, sondern nur darüber, wie geschickt diese Menschen in Selbstvermarktung sind oder wie groß ihre Nische ist. Natürlich hat man ein größeres Publikum, wenn man vor laufender Kamera gute Schminktipps gibt oder Blockbusterfilme und -serien rezensiert als wenn man über irgend eine obskure Pflanze oder in einer Sprache erzählt, die kaum jemand spricht. (Meinen eigenen Kanal und meine Gedanken dazu stelle ich dann in einem späteren Beitrag vor; das würde hier den Rahmen sprengen.)

Was jedoch kaum jemand von außen mitbekommt und was sehr unterschätzt wird ist, wie viel Arbeit YouTube als „Creator“ macht, wenn man es gut machen will. Es ist eine “labour of love”, man macht es aus Liebe zur Sache und aus Spaß an der Freude – und das spüren die ZuschauerInnen. Die besten und klügsten unter ihnen kooperieren gelegentlich miteinander und so lernt man dann plötzlich tolle, neue Kanäle kennen. Nicht über den YouTube Algorithmus.

Hier eine kleine Auswahl meiner liebsten Creators und ihrer Kanäle, in keiner besonderen Reihenfolge:

Filmen/Videotechniken:

Fotografie:

  • Thomas Heaton ist Landschaftsfotograf aus UK. Seine Filme sind unauffällig und ruhig, jedenfalls bis einem aufgeht, wie aufwendig er sie dreht und was er dafür alles macht. Anspieltipp: “Landscape Photography in a snow storm”.
  • Sean Tucker ist Portrait- und Street Photographer und geht seine Themen in der Regel eher ruhig, erzählerisch und philosophisch an. Anspieltipp: “Taking Portraits of Strangers (feat. Gabrielle Motola).”
  • Three Blind Men And An Elephant sind ein älteres New Yorker Ehepaar (Claudia steht hauptsächlich hinter der Kamera, Hugh sitzt davor), das sich in der Tradition klassischer Street Photography, Portraits und Schwarz-Weiß-Bildkunst versteht und mitunter auch unterhaltsam Ausrüstung rezensiert.Anspieltipp: “Photographs don’t tell stories – you do“.
  • Peter McKinnon ist Gaukler, Landschaftsfotograf, Tausendsassa, Pirat, Kanadier und Unternehmer und meistens sehr unterhaltsam. Anspieltipp: “Break The Habit”. Und ja, natürlich weiß ich, dass er inzwischen quasi das Synonym für YouTuber ist, jedenfalls in der Fotografienische. Aber das war nicht immer so und verglichen mit den Bekanntheitsgraden von, sagen wir, Tatortkomissaren, sind seine 5 Millionen Zuschauer geradezu lächerlich.

Zeichnen/Malen:

Kochen:

Musik/Gitarre:

Vlogs/Sonstige

Ich habe mich jeweils aufs Nötigste beschränkt und ich wollte nicht die üblichen Verdächtigen nehmen. Natürlich gucke ich auch gerne mal Casey Neistat zu, der allerdings schon seit ca. 2 Jahren nicht mehr vlogt und nur noch äußerst sporadisch veröffentlicht; der Burnout scheint ihn dann am Ende doch noch erwischt zu haben, oder seine Ehe und Familie ist ihm nach all den Jahren wichtiger, was nur verständlich wäre. Und „klein“ ist sehr relativ, wie schon gesagt; Peter McKinnon ist mit inzwischen über 5 Millionen AbonnentInnen alles andere als klein, aber ich folge ihn seit 2016, als er keine fünftausend AbonnentInnen hatte. Das hier sind meine „go to“-Leute, wenn ich mich inspirieren lassen möchte, oder wenigstens unterhalten. Oder etwas Neues lernen will. Ich finde es sehr schade, dass so wenige Frauen dabei sind; ich suche zwar nicht gezielt nach weiblichen Creators, der Inhalt kommt immer zuerst, aber würde mich natürlich sehr freuen, mehr davon zu finden, die zu diesen Themen und auf diesem Niveau filmen. Fünfeinhalb von 31 sind einfach zu wenige, da geht noch was, oder? Ich würde mich über Eure Tipps freuen, gern in den Kommentaren.

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