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Die Lieblinks der KW 11/21 handeln von Clubhouse, Dark Patterns und Fran Lebowitz.

Vor einigen Wochen oder Monaten, wer weiß das schon so genau in diesen verwirrenden Zeiten, machte das neueste Social Network namens Clubhouse auf Twitter und in den Medien die Runde. Clubhouse ist eine elitäre Audioveranstaltung: Man muss a) ein iPhone haben, denn die App läuft nur darauf, b) eine Einladung, man kann sich nicht einfach so anmelden und c) kann dann vituellen Räumen beitreten, in denen Podiumsdiskussionen oder Vorträge stattfinden, bei denen man dann als ZuhörerIn Fragen stellen darf. Natürlich kann man auch selbst Vorträge halten. Quasi Livepodcasting, oder, ganz banal: Telefonkonferenzen.

Obwohl ich neuen Social Networks gegenüber ja grundsätzlich recht aufgeschlossen bin, war mir unmittelbar klar: Clubhouse würde ich links liegen lassen. Zunächst deshalb, weil ich Telefonkonferenzen an sich schon ungeheuer anstrengend finde und mir so etwas ganz sicher nicht freiwillig in meiner Freizeit antun werde. Ich habe nicht die Zeit dafür, mir konzentriert und dediziert irgendwelche Podiumsdiskussionen anzuhören und Multitasking ist ein Mythos. Audio aber ist nicht mein bevorzugtes Nebenbei-Medium. Das alles wäre natürlich nur mein Problem und nicht das von Cluhouse, wenn es denn eins wäre für mich. Ist es nicht.

Clubhouse steht außerdem in bester Tradition der Datenschutzverächter, ganz so, als wäre nicht seit mindestens 2008 klar dass es einfach nicht akzeptabel ist, das Adressbuch der Mitglieder abzuschnorcheln und auf irgendwelche US-Server hochzuladen und an Werbepartner zu verkaufen. Das ist definitiv ein Problem, nicht nur für mich, und ein klares Ausschlusskriterium.

Und schließlich scheint es zu weiten Teilen eine ziemliche Bro-Veranstaltung der üblichen Verdächtigen zu sein, die sich dort sehr männlich gegenseitig auf die Schultern klopfen; die Sorte Luftpumpen, die sich sonst gegenseitig als Marketing „Rockstars“ gegenseitig auf Podiumsdiskussionen highfivend Buzzwords um die Ohren hauen. Das kann ich natürlich nur von außen und anhand von in meine Timeline gespülten Tweets beurteilen, aber glaube nicht, dass ich damit sehr danebenliege. Kurz: Clubhouse ist nichts für mich.

Clubhouse scheint aber auch sonst schon wieder auf dem absteigenden Ast zu sein; zumindest in meiner Timeline hat sich die ursprüngliche Begeisterung inzwischen dramatisch abgekühlt. In diesem Twitterthread nun rollt der Gründer und Investor Shaan Puri das Thema mal von der anderen Seite her auf, und das fand ich einerseits sehr lehrreich und andererseits sehr unterhaltsam.

Twitter rollt offenbar seine eigene Clubhouse-Funktion aus; nachdem sie dort neulich mit der ‘Fleets’ Funktion schon versucht haben, Instagrams Stories-Funktion zu kopieren (die Instagram wiederum von Snapchat geklaut hatte), kommen jetzt Twitter ‘Spaces’. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an Periscope. Nunja.

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Kalifornien bringt ein Gesetz auf den Weg, das sog. Dark Patterns künftig verbietet. Unter Dark Patterns versteht man eine Benutzerführung, die es den Besuchern oder Kunden so weit es geht erschweren soll, in ihrem eigenen Interesse zu handeln statt in dem des Anbieters. Wir kennen das: Cookiebanner haben einen gigantischen „Alles akzeptieren“-Button und irgendwo darunter, winzig klein, einen, der zu den Optionen führt, mit denen man dann einzeln in Handarbeit Dutzende von Partnern mit „berechtigtem Interesse“ an den eigenen Daten abwählen kann. Oder man kann mit drei Klicks ein Abo abschließen, es aber nur telefonisch oder per Einschreiben, oder nach einem erzwungenen Chat mit einem Hotlinemitarbeiter kündigen, der einen mit Rabatten, Versprechungen oder verwirrenden Aussagen zum Bleiben bewegen will. Wer schon einmal ein Abo der New York Times kündigen wollte, kennt das. Hierzulande sind solche Praktiken schon lange verboten, was natürlich niemanden ernsthaft davon abhält, es trotzdem zu machen, denn Bussgelder werden selten und eher in Portokassenhöhe verhängt.

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Netflix hat selten Sendungen, die meinen Geschmack treffen. Ich bekomme dort vom Algorithmus grundsätzlich entweder die beliebtesten Sendungen der Saison angeboten, oder aber Dinge, die ich nicht nur uninteressant sondern rundweg abstoßend finde: True Crime Dokudramen, cineastische Gewaltorgien, Splatterfilme, Science Fiction Serien, harmlosestenfalls noch Sportlerdokus von mir unbekannten und mich nicht interessierenden Basketballern oder Formel 1 Fahrern.

Insofern war ich höchst erfreut, dass mir unlängst Martin Scorseses Interviewserie mit der New Yorker Autorin Fran Lebowitz angepriesen wurde. “Pretend it’s a City” bietet für Frans Fans wenig Neues (ich folge ihr seit mindestens zwanzig Jahren ziemlich begeistert), aber lohnt sich definitiv für Literaturfans, für New York Fans, für Fans von klugen, nicht notwendigerweise politisch korrekten Bonmots und natürlich für Scorsesefans. Wer Dorothy Parker und Truman Capote mag, wird sehr wahrscheinlich auch Fran Lebowitz mögen. Wer ein Problem mit Frauen, noch dazu solchen mit eigener Meinung hat, eher nicht. Für Euch gibt’s Clubhouse.

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