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Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal einen virtuellen Adventskalender gemacht; den „Adventsbärlender“. Jeden Tag einen kurzen Videoclip mit dem Making-of der Zeichnung fürs Bärenabo. Ein paar Leute haben gefragt, wie ich das in all dem Stress mit dem Bärlender- und Bärenkochbuchversand noch geschafft habe, denen sei gesagt: Gar nicht. Die Clips und Zeichnungen entstanden im Sommer, als ich aus den Ferien am Meer zurückkam und feststellen musste, dass meine Bärenkochbuchversandplanung sich noch etwas verschieben würde. Ich hatte unerwartet Zeit.

Normalerweise zeichne ich das Bärenabo ziemlich zeitnah zur Erscheinung, also meist am Tag vor der Veröffentlichung der jeweiligen Folge. Fun fact: Oft weiß ich noch beim Hinsetzen und Skizzenbuch aufklappen nicht, was in der morgigen Folge geschieht, zu sicherlich über 90% sind es völlig spontane Einfälle. Natürlich gibt es einen groben Zeitrahmen um wiederkehrende Ereignisse wie Jahreszeiten, oder Ferien am Meer, oder Claudes Ankunft und Abreise. Aber die genaue Planung der Minigeschichte des Tages ergibt sich tatsächlich erst, wenn der Bleistift aufs Papier trifft. Der Bär lebt spontan in den Tag hinein, er macht, was ihm gefällt. Der Waschbär sowieso – man kann ihn erwarten, wenn man ihn sieht. (Ich weiß immer noch nicht, wo er lebt.) Und so habe auch ich keine Ahnung, was morgen passieren wird.

Wenn ich weiß, ich muss verreisen, oder auch wenn ich gerade so schön im Flow bin und eine Idee für eine Mikrogeschichte habe, die sich über ca. 7-10 Tage zieht, dann zeichne bzw. produziere ich auch schon mal vor und schaffe mir so einen kleinen Puffer. Das ist einerseits natürlich praktisch und auch schön, so auch mal Pause vom Bären zu haben und den Kopf für andere Dinge frei zu kriegen. Andererseits finde ich, dass der Charme der Folgen genau darin liegt nicht zu wissen, was morgen passieren wird.

Im Hochsommer Geschichten aus der Weihnachtszeit zu schreiben bzw. zeichnen, das ist einer der lustigen Aspekte des Illustratorinnenlebens. Den Bär und seine Freunde in Schals zu stecken und bei Eis und Schnee und Glühwein zu begleiten während man in Shorts und T-Shirt am Zeichentisch sitzt und draußen gemütliche 25°C herrschen, das erfordert etwas Konzentration, aber es macht auch Spaß.

Der Ablauf für jede Folge ist: Bleistiftzeichnung/Komposition, (schwarze) Tuschephase, Aquarellphase. Dann fotografieren und ggf. noch mit 1-2 Effekten versehen, wie z.B. Lichtreflexen oder Schneeflocken etc. Natürlich könnte ich das auch traditionell, aber es würde den Prozess zeitlich sehr in die Länge ziehen und nicht nennenswert besser aussehen. Ich mache mir die Arbeit ja auch nicht gern umständlicher und anstrengender als es nötig wäre. Dann schreibe ich den Dialog (der mir, genau wie die Zeichnung, genau in der Minute aus den fingern fällt, in der ich mich daransetze), kopiere ihn einmal in mein Newslettertool, über das die Folge per E-Mail rausgeht, einmal übersetzt für die englischsprachige Variante und schließlich maile ich ihn aufs Bärenhandy, wo ich ihn für die WhatsApp-AbonnentInnen brauche.

Dieses Mal kam also noch die Verfilmung hinzu, für den Adventsbärlender. Dafür habe ich das Handy überm Zeichentisch platziert, an einem sogenannten C-Stand (Affiliate Link) mit einem Auslegerarm, und die Zeitrafferfunktion der Kamera genutzt. Die Clips mit der Applikation der digitalen Effekte kamen direkt aus der App namens Lens Distortions, die ich in diesem Fall dafür genutzt habe (sonst nehme ich meist Photoshop); sie hat eine Exportfunktion dafür. Anschließend habe ich auf Epidemic Sound (Affiliate Link) die passende Musik und Soundeffekte gesucht und heruntergeladen. Epidemic Sound ist eine schwedische Audiothek für Kreativschaffende, die monatlich oder jährlich einen verkraftbaren Betrag dafür bezahlen, dass sie wirklich super Musik und Sounds in ihren Videos nutzen und veröffentlichen dürfen, ohne mit einem Copyrightdrama rechnen oder die Monetarisierung ihrer Videos durch Rechteinhaber dulden zu müssen.

Schlussendlich habe ich alles in mein Videoschnittprogramm Adobe Premiere Pro importiert und den Clip zusammengestellt, exportiert als .mp4 und bei YouTube und Twitter hochgeladen (den beiden Plattformen, die eine konkrete Zeitplanung der Veröffentlichung zulassen). Das alles konnte ich im Sommer machen. Bei Twitter musste ich ein paar Male manuell nachhelfen, da der geplante Tweet seltsamerweise nicht veröffentlicht wurde; vielleicht war der jeweilige Clip zu lang oder die Datei zu groß.

Außerdem habe ich die Clips manuell im Advent täglich auf tiktok und Instagram hochgeladen, was deutlich nerviger war, da hier unterschiedliche technische Rahmenbedingungen gelten. TikTok erlaubt Clips bis zu 3 Minuten Länge, aber sobald ein Clip länger als 1 Minute ist, darf man keine Musik mehr darauf verwenden und er wird geblockt unter Hinweis auf ein „Copyright Vergehen“. Das war bei mir einmal der Fall. Ich war sehr erstaunt darüber (tiktok gibt da auch keine weiteren Erklärungen zu ab) und wandte mich natürlich umgehend an Epidemic Sound, die mir das Procedere sehr schnell und freundlich erklärten.

Instagram bietet drei Möglichkeiten an, seine Bilder und Clips zu posten: Einmal normal im Feed, einmal als sog. Reel (eine 1:1 Kopie des TikTok Prinzips) und einmal als Story (eine 1:1 Kopie des Snapchat Prinzips – Stories löschen sich nach 24 Std. wieder). Reels dürfen maximal 30 Sekunden lang sein und Stories werden in 15-Sekunden-Häppchen zerlegt. Und sowohl tiktok als auch Instagram bieten dann noch eine Beschreibungsfunktion und Hashtagnutzung an, jeweils wieder mit unterschiedlichen Vorgaben (tiktok erlaubt maximal zehn Hashtags und nur 300 Zeichen für die Videobeschreibung; Instagram ist etwas großzügiger, aber Romane sollte man da auch nicht schreiben und Hashtagspam wird nirgends gern gesehen.) Mit reinem copy & paste ist es leider nicht getan.

Wenn man also das Ganze wirklich perfekt angehen wollte, müsste man mehrere Versionen des Clips schneiden und exportieren, z.B. auch eins im Querformat für YouTube. Das habe ich mir hier geschenkt, denn damit wäre aus den 2 Arbeitsstunden 4 geworden, und die hatte ich schlicht nicht. Ich musste ja – neben Weihnachtskarten für meine Geschäftskunden – auch noch einen Bärlender malen und ich rechnete ja im August auch noch täglich mit der Lieferung der Bärenkochbücher. Sweet summer child, indeed.

Ich hoffe, Sie hatten Freude am Adventsbärlender und diesem Einblick hinter die Kulissen. Auf YouTube findet sich die Playlist der 23 Clips, für alle, die sie noch einmal nachgucken möchten. Nur 23? Ja, bei einer Folge habe ich leider vergessen, rechtzeitig den Zeitraffer zu betätigen und daher kein Videomaterial gehabt. Und natürlich hat man den vollen Spaß nur, wenn man die Dialoge kennt – und die gibt’s nur im Bärenabo. 😉

Frohe Weihnachten!