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Letzte Woche hatte ich nur einen Link, daher gab’s keine Lieblinks, diese Woche habe ich schon wieder vergessen, welcher es war. Nicht so wichtig.
Irgendwie ist nichts mehr so wirklich wichtig. All diese Aufreger, all diese kleinen Dramen, die Gehirnfürze von mittelprächtigen Promis, weltberühmt in Wanne-Eickel, die einen zumindest noch unterhalten könnten, wenn sie auch sonst zu nichts gut sind, selbst diese interessieren mich gerade nicht genügend, um darüber zu bloggen, oder auch nur zu twittern. Diese „das musste mal raus, das musste mal gesagt (und gefilmt) werden“-Leute und -Themen. Nicht alles, was raus muss, muss dann auch gefilmt und breitgetreten werden. Mach die Klotür zu, Jan-Josef.

Ich habe schlicht keine Energie mehr übrig für Leute, Themen, Sachen, die sich von meiner Energie ernähren. Das letzte Jahr war für mich emotional nicht ganz so anstrengend und kräftezehrend wie das Jahr davor, aber ich merke, dass ich seit diesem Jahr „auf dem Zahnfleisch gehe“, wie man das so schön nennt. Nicht, weil ich krank wäre oder auch nur jemand aus meiner unmittelbaren Umgebung und Familie, nein, außer mir sind hier inzwischen alle geimpft – aber vielleicht ist es auch das, was zu meiner Unsicherheit beiträgt. Regiert werden wir ja auch nicht mehr, Berlin ist gefallen, ab hier heißt es ‚jeder Gorilla für sich‘. So wie ich müssen sich die Leute in den Tagen vor Kriegsende gefühlt haben: Nur jetzt nichts mehr falsch machen, wir schaffen das, lasst uns nicht noch in den letzten fünf Minuten auf eine Mine treten. Irgendwann ist das alles vorbei, ist alles aufgeräumt, haben wir wieder echte Menschen an der Regierung.

Die New York Times nennt es languishing, was gemeinhin mit „Schmachten“ übersetzt wird. Ich nenne es Dahinwelken. Nicht genug Sonne, zu wenig Wasser, zu viel Wind, zu viel Regen, wer weiß es schon so genau, aber man kommt nicht so recht zur Entfaltung und sieht nicht so anregend und gesund aus wie auf dem Werbeplakat oder der Verpackung.

Ich schreibe und zeichne das Bärenkochbuch und es macht mir Freude und ich bin grundsätzlich zufrieden, aber ich kann mich nicht so messerscharf auf die Arbeit konzentrieren wie beim letzten Buch. Auch auf sonst nichts. Ich springe von Rezept zu Rezept, von Bild zu Bild, ich prokrastiniere durch Sortieren meiner Farbtuben nach dem Spektrum und der Buntstifte nach Länge, ich kritzele im Photoshop herum und lösche alles wieder, dann fällt mir ein, ich könnte zur Entspannung eigentlich etwas Gitarre spielen oder eine Runde laufen gehen, aber nach fünf Minuten Gedudel ist auch auf der Gitarre Schluss und beim Laufen bin ich schon ermattet, noch bevor ich mir die Schnürsenkel richtig zugebunden habe.

Als gestern mein aktueller Geisteszustand sagte „eigentlich könntest du doch auch mal Dänisch lernen, das kann man sicher irgendwann mal gebrauchen“, obwohl ich im Leben genau zweimal für insgesamt keine 48 Stunden, zuletzt vor zehn Jahren, in Dänemark war und ich keinen einzigen Dänen kenne, da bin ich ins Bett gegangen. Es war kurz nach 21 Uhr.

Ich welke dahin.